Dienstag, 25. Mai 2010

Rosa Rose

Rosa Rose ist ein Nachbarschaftsgarten in Berlin Friedrichshain. Der ursprüngliche Rosa Rose Garten entstand auf einem brachliegenden Grundstück in der Kinzig-Straße. Die Bewohner des benachbarten K9-Hauses entschieden sich 2004, dass sie aus der vermüllten und mit Hundekot übersäten Fläche mehr machen wollten. Sie begannen das Grundstück zu reinigen und Stück für Stück einen Garten anzulegen. Dabei kamen ganz unterschiedliche Interessen zusammen: Während einige ambitionierte Gärtner tatsächlich Gemüse anbauen wollten, wünschten sich andere nur einen grünen Aufenthaltsort im Freien oder Auslauf für ihre Hunde. Und so entstand ein bunt gemischtes Gartenangebot als Nachbarschaftstreffpunkt, Ort für Feiern und für kulturelle Veranstaltungen.
Das alles weiß ich leider nur aus den Erzählungen von Frauke, die von Anfang an dabei war. Heute ist vom ursprünglichen Garten nichts mehr zu sehen, denn 2008 wurde ein Teil der Fläche, für die die Gruppe ja keinen Nutzungs- oder Pachtvertrag hatte, an einen Investor verkauft und bebaut. 2009 mussten sie dann auch den restlichen Garten räumen, um einem Bauvorhaben Platz zu machen, das allerdings bis heute nicht begonnen hat. Zur Zeit liegt die Fläche wieder brach.
Die Rosa Rose Gärtner haben von der Stadt ein neues Grundstück angeboten bekommen und sind dort grade mit einem neuen Garten gestartet. Dieser liegt hinter der Frankfurter Allee 104–106, der Zugang erfolgt über die Jessnerstraße. Es handelt sich um eine Grünfläche, die von den Anwohnern bereits genutzt wird, als Aufenthaltsort der Jugendlichen, sowie als Hundeauslauf und zum Grillen. Als ich an einem Mittwochabend zum Gartentreffen komme, sind außer mir sieben Gärtnerinnen da und ein Mann von der Bürgerjury. Er begutachtet das Projekt um in der Jury entscheiden zu können, ob und mit wieviel Geld das Bezirksamt das ehrenamtliche Projekt unterstützen wird. Das Geld könnten die Gärtner gut gebrauchen, denn es soll ein Zugang zu fließendem Wasser gebaut werden, um das Gießen zu erleichtern. Im Moment muss das Wasser noch mit Eimern und Gießkannen aus der Frankfurter Allee geholt und zu den Beeten geschleppt werden. Aber auch ein kleinerer Betrag wäre schon hilfreich, dann könnte endlich Gemeinschaftswerkzeug angeschafft werden.

Von den alten Mitgliedern sind nach dem Umzug nur ein paar übrig geblieben, dafür sind neue Anwohner dazu gekommen. Auch hier sind die Motive wieder ganz unterschiedlich, für einige steht das Gärtnern im Vordergrund, anderen ist wichtig auch kräftig ernten zu können, eine Rentnerin kommt mit ihren Enkeln um Blumen zu pflanzen. Es gibt sowohl Einzel- als auch Gemeinschaftsbeete, ein Metalliglu dient als Schuppen. Die vorhandenen Erdhügel werden umgenutzt, einer wird zu Erdbeerhügel, auf einem anderen soll eine Kräuterspirale entstehen und ein dritter mit Stauden bepflanzt werden.
Gerade bekommt das Gemeinschafts-Gemüse-Beet eine Umrandung aus Steinen, die aus einem Schuttcontainer in der Nähe stammen. Ursprünglich sollte es ein reines Gemüsebeet werden, aber jetzt hat eine der Frauen für die nächste Woche Auberginen und Zucchini-Pflanzen angekündigt und so wird es ein gemischtes Gemüsebeet. Entscheidungen werden hier unkompliziert ausdiskutiert und wer da ist, macht einfach – ohne große Anträge oder Abstimmungen in der Gruppe. So ungefähr stelle ich mir eine Doocracy vor, eine Organisationsform, in der Individuen selbstständig ihre Aufgaben aussuchen und ausführen. Verantwortlich sind hier die handelnden Personen und nicht gewählte oder bestimmten Amtsträger.























Nachdem alle vorhandenen Steine für die Umrandung  verbaut sind, beginnen wir mit einem neuen Gemeinschaftsbeet um Platz für die neuen Pflanzen zu schaffen. Die Gärtner haben Glück, denn der Boden ist gut hier. Auf dem brachliegenden Baugrundstück hatten sie es schwerer: Hier musste die Erde für die Beete zugekauft werden, da das vorhandene Erdreich durchzogen war vom Schutt voriger Gebäude. Im neuen Garten ist das nicht nötig, hier kann direkt losgelegt werden. Zunächst wird der Umriss des Beetes mit dem Spaten markiert, dann die Graßdecke abgestochen. Diese Grasstücke werden nun kräftig geschüttelt, um das Gras mitsamt der Wurzeln von der wertvollen Erde zu trennen. Das Gras landet auf dem Komposthaufen, die Erde im Beet. Es geht etwas chaotisch zu aber schon bald ist ein schönes sternförmiges Beet entstanden. Nächste Woche soll dann Gemüse gepflanzt werden, aber jetzt hat die ältere Dame schonmal robusten bodendeckenden Storchenschnabel organisiert und bepflanzt damit die Zacke des Sterns, die in Richtung einer Graffiti-Mauer liegt und dadurch Gefahr läuft von den Sprayern in Mitleidenschaft gezogen zu werden.








Der Man von der Bürgerjury hat genug gesehen, wie sich die Jury entscheiden wird, bleibt abzuwarten. Würde er seine kleine Tochter fragen, die in der Zwischenzeit kräftig mit angepackt hat, stünde die Entscheidung fest: Beim Gehen fragt sie ihn: "Papa, kommen wir bald wieder her?"

Weitere Infos: www.rosarose-garten.net

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